Interview: Christian Dommers von wergehthin.de

Geschrieben am December 16th, 2009 von Gleb

Fortan kommt hier endlich wieder Leben auf den Blog! Den Anfang macht ein Interview mit meinem Kollegen Christian Dommers von wergehthin, einem meiner Meinung nach recht viel versprechenden, wenn auch in der deutschen Blogosphere noch nicht sonderlich prominent behandelten Event-Startup aus Köln.

Die Jungs versuchen das auf die Beine zu stellen, was wir bei Townster mit dem Event-Feature (vergeblich) versucht haben: Starke lokale Vernetzung von Events und Eventgängern mit einer Portion Local Search und Social Network. Christian ist Gründer und Geschäftsführer der Betreibergesellschaft doyago Ltd. und hat gerade eine Angelfinanzierung für das junge Projekt an Land gezogen. Here we go:

Tritus.de: Hallo Christian! Zunächst einmal: Wer bist du, was machst du und hast du schon alle Weihnachtsgeschenke beisammen?

Dommers: Hi Gleb! Ich bin junger Unternehmer und widme meine Zeit spannenden Internet-Projekten. Zu den Weihnachtsgeschenken: Zum Einkaufen bin ich leider noch nicht gekommen. Wird wohl wieder auf den letzten Drücker wie jedes Jahr…

Tritus.de: Gratulation zum kürzlich abgeschlossenen Angel-Investment. Wie lange habt ihr einen Investor gesucht und was sind die sagenumwobenen „Key-Learnings“, die euer Unternehmen aus diesem Prozess mitgenommen hat?

Dommers: Danke! Der eigentliche Suchprozess hat glücklicherweise nur einige Wochen gedauert, was aber auch daran lag, dass wir vorher hart an einem marktreifen Produkt mit vorzeigbarer Reichweite gearbeitet haben. Die Key-Learnings: Unbedingt an den Erfolg glauben, dabei aber realistisch bleiben und sich immer alle Alternativen vor Augen führen.

Tritus.de: Achtung, mittelprächtiger Wortwitz: Wohin geht die Reise von wergehthin.de in 2010? Grundsätzlich bietet das Thema in Deutschland doch noch einiges an Potential – ich denke da beispielsweise an dieses US-Startup (wie hieß das noch gleich?), bei dem man Künstler mit Votes dazu überreden kann, in der eigenen Stadt aufzutreten…

Dommers: 2010 wird für wergehthin ein herausforderndes Jahr. Der bereits eingeschlagene Weg mit einem greifbaren Produkt für junge Leute in Großstädten und Ballungsräumen wird konsequent weiterverfolgt. Wir glauben, dass wir damit das vorhandene Potential in lokalen Freizeitmärkten optimal nutzen. Was das von dir erwähnte Startup eventful mit seinem Feature macht ist glaube ich für Deutschland nicht so gut geeignet, denn unsere Städte liegen zu nah beieinander. Wen ich einen Superstar unbedingt sehen will, fahre ich dafür auch von München nach Hamburg. Die USA hat ganz andere Distanzen.

Tritus.de: Das stimmt natürlich. Euer Angebot ist augenscheinlich noch sehr stark auf Köln fixiert. Während regionale Stärke sicherlich ein guter Weg ist, die erdachten Prozesse und Konzepte anfangs auf die Probe zu stellen, steht man mittelfristig doch oft vor Skalierungsschwierigkeiten. Wie begegnet ihr diesem Thema?

Dommers: wergehthin steht für Qualität von Inhalten. Wir bieten unseren Usern Geheimtipps, die sich wirklich lohnen und sind nah dran am Geschehen. Die Liebe zur Stadt kann man nur glaubhaft verkörpern, wenn man die Stadt auch gut kennt. Also nähern wir uns 2010 den großen Ballungsräumen in Deutschland mit großer Sorgfalt. Wir haben gelernt, dass man auch innerhalb einer Stadt sehr gut skalieren kann.

Tritus.de: Ein paar Worte zur Monetarisierung: Wie und vor allem ab wann will wergehthin Geld verdienen?

Dommers: Aktuell verdienen wir schon Geld mit lokaler Werbung und gesponserten Listings für Veranstalter. Dieses Konzept bauen wir natürlich weiter aus. Hinzu kommen noch weitere Einnahmen wie z.B. Ticketverkäufe.

Tritus.de: Ihr teilt euch ein Büro mit den Jungs von spickmich, die ebenfalls in wergehthin investiert haben. Wie kam es zu dieser Partnerschaft?

Dommers: Wir kennen die spickmich–Gründer noch aus der Kölner Uni. Wir haben dort alle BWL studiert. Da es damals an der Uni nicht viele gab, die ernsthafte Gründungsgedanken gehegt haben, lief man sich automatisch schnell über den Weg. Tino, Manuel und Philipp haben wir von Anfang an aktiv mit in den Gründungsprozess eingebunden. Sie stehen uns stets bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite.

Tritus.de: In meiner Zeit bei Townster hatte ich die Erfahrung gemacht, dass die Nutzer zwar recht gerne Locations eintragen, wohl aber total die Finger von Eventdaten und Partyfotos lassen – vielleicht erschien ihnen das nicht als „permanent“ genug, weil der Datensatz nach dem jeweiligen Event nur noch geringfügigen Wert für die Community hatte. Wie wichtig ist User Generated Content für wergehthin?

Dommers: Ohne Content von Usern ist es sehr schwer ein umfassendes Bild vom Freizeitleben einer Stadt zu bieten. Man muss die richtigen Anreize setzen und auch ein wenig nachhelfen, damit Leute bereit sind aktiv zu werden. Aber du hast recht: Von alleine passiert da nicht viel. Partyfotos werden wenn, dann nur auf großen Networks wie StudiVZ oder Facebook hinterlassen. Meistens bleibt die Kamera bei Clubabenden ja aus vielen Gründen bewusst zu Hause - deshalb gibt es auch so viele Ausgehportale mit eigenen Fotografen. Dann siehst Du auf diesen Seiten überall dieselben Grinsefotos – schlimm!

Tritus.de: Vor wergehthin warst du u.a. im Gründerteam des Venture-Capital-Inkubators Speedseed, der leider nicht über die Planungsphase herausgekommen ist. Was genau ist damals schief gelaufen?

Dommers: Speedseed war damals die Idee, eine Plattform zu schaffen, die junge Gründer mit Unternehmern zusammenbringt. In den USA gibt es schon seit Jahren sehr erfolgreiche, ähnliche Konzepte wie z.B. Y Combinator oder Techstars. Da kommen jedes Jahr junge Gründer mit dem geballten Know-How von erfahrenen Unternehmern und Kapitalgebern zusammen. Das Ergebnis sind dann nicht selten Überflieger-Startups wie Loopt. Wir wollten so etwas unbedingt in Deutschland und Europa aufbauen, hatten aber leider zu wenige Mitstreiter. Gründer hätte es genug gegeben - wir hatten sogar Anfragen aus Skandinavien…

Tritus.de: Danke für das Gespräch!

Veröffentlicht in Case Study, Web 2.0 mit 0 Kommentaren »

Mehr Google: Kikin ist live!

Geschrieben am October 31st, 2009 von Gleb

Kikin, das neue Startup meiner alten Freunde und Kollegen von Wazap unter der Führung von Carlos Bhola und Andreas Rührig, ist endlich online: Das deutsch-amerikanische Startup mit Sitz in New York reichert euere Google/Bing!/Yahoo!-Suchergebnisse nach der Installation einer kleinen Software mit zusätzlichen, relevanten Informationen an - so beispielsweise Facebook-Profilen, Tweets oder Videoclips von YouTube.

Augenscheinlich eine Idee mit Potential, die technologisch ordentlich umgesetzt worden ist. Probiert’s mal aus!

Veröffentlicht in Web 2.0 mit 2 Kommentaren »

Hochzeitstanz wird Klickmagnet

Geschrieben am August 4th, 2009 von Gleb

Ein schönes Beispiel für die medial immer gewichtigere Eigendynamik von YouTube: Jill und Kevin aus St. Paul, Minnesota (USA) haben geheiratet und sich in der Kirche aberwitzig zum Altar getanzt. Die privaten Aufnahmen der Trauung sind über virale Verbreitung zum absoluten Renner avanciert: Inzwischen zählt der Clip über 15 Millionen Views, nicht zuletzt dank unzähliger TV-, Radio- und Online-Aufmerksamkeit:

Das dazu gehörige Lied „Forever“ von Chris Brown ist unmittelbar nach dem Hype in die US-Charts eingestiegen und erlebte einen signifikanten Absatzanstieg bei ITunes & Co. Die frisch Vermählten nutzen ihre plötzliche Popularität inzwischen dazu, Spenden für einen guten Zweck zu sammeln.

Damit kein Ende: Eine New York Videoproduktionsfirma wirbt seit kurzem mit der Parodie „Jills and Kevins Divorce Dance“ ebenfalls recht unterhaltsam für ihre Dienstleistungen. Dennoch: Die schönsten Viralclips sind wahrlich die, die es gar nicht sein wollten.

Veröffentlicht in Offtopic mit 0 Kommentaren »

Der deutsche Handwerker

Geschrieben am July 31st, 2009 von Gleb

Aus gegebenem Anlass möchte ich an dieser Stelle ein Hoch auf das deutsche Handwerk aussprechen: Früher eher selten damit in Verbindung gekommen, merke ich die Tage sehr deutlich, wie verpennt und unzuverlässig diese ständig auf Beschwerdekurs befindliche Branche hierzulande ist.

Ich will keinem zu nahe treten, aber irgendwie gebe ich einen Haufen Geld aus und stolpere nur vom Regen in die Traufe. Es nervt!

Veröffentlicht in Privates mit 2 Kommentaren »

Shopping-Clubs verwässern Preise

Geschrieben am July 31st, 2009 von Gleb

Momentan mache ich immer öfter die Erfahrung, dass die erfolgreichen Live-Shopping-Anbieter ihre Angebote langsam aber sicher ordentlich verwässern: Während die Frequenz der Verkaufsaktionen bei allen deutlich angestiegen ist, ist die Zahl „wahrer“ Schnäppchen mittlerweile im Keller.

Nachfolgend ein paar aktuelle Beispiele im Vergleich (alle Preise bereits inklusive Versandkosten bei Wahl von Vorauszahlung):

Bauknecht Kühl-/Gefrierkombination KGE 322 A++ WS weiß
Derzeit bei brands4friends für 658,90.-EUR in der Auslage. Günstigster Preis im Netz liegt bei 607,80.-EUR (Elektroshop Wagner), immerhin ein Unterschied von 51,10.-EUR.

Samsung 40 Zoll LCD-TV LE40B750 Full HD
Beim Paul derzeit für 939,80.-EUR im Sale. MyBauer bietet das gute Stück für 886.-EUR an, wohlgemerkt sofort versandbereit. Für die ersparten 53,80.-EUR kriegt man bereits eine solide Wandhalterung für den Fernseher. Pauldirekt wirbt derweil mit „Ersparnis: 47%“ (gegenüber der unverbindlichen Samsung-Preisempfehlung von anno dazumal).

Samsung Memory-Camcorder SMX-F34
Paul hat’s für kurze Zeit zu einem Kurs von 197,80.-EUR, MsNicePrice schon lange für 194.-EUR ohne das ganze Club-Drumherum.

LG 42 Zoll Full HD-LCD-TV 42LF2510 Schwarz
Wieder beim Paul entdeckt, für 629,80.-EUR – bereits ausverkauft! Computer Universe hat’s für 620,50.-EUR auf Lager. Kein großer Unterschied, aber doch bezeichnend.

Dass es auch positive Ausnahmen gibt (z.B. der HP Compaq Mini 702 EG bei Pauldirekt ca. 130.-EUR unter Schnitt), soll natürlich nicht unter den Teppich gekehrt werden – ganz im Gegenteil. Doch waren diese vor einem Jahr noch die Regel, bilden sie immer öfter eher die Ausnahme.

Und so gleichen sich die vermeintlichen Club-Feger dem Preisniveau regulärer Versender immer weiter an. Letztere versenden in der Regel deutlich schneller und lassen die Sache mit „Invitation only“ beiseite.

Fazit: Die psychologische Reizüberflutung der Shopping-Clubs reicht mittlerweile aus, Waren zu völlig normalen oder gar erhöhten Preisen binnen Stunden erfolgreich abzusetzen. Maßgeblich hierfür ist der künstliche erzeugte Zeitdruck durch die Anzeige des schwindenden Warenbestands sowie der Restlaufzeit der jeweiligen Verkaufsaktion. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich viele Club-Shopper in einer exklusiven Gesellschaft wähnen – bei Unternehmen wie brands4friends, die mittlerweile über zwei Millionen Nutzer zählen, kann davon schon lange keine Rede mehr sein.

Wer sich im Handel ein bisschen auskennt, weiß natürlich, dass die Margen je nach Produktsparte arg variieren und somit den Spielraum für einen guten Deal einschränken. Den Endverbraucher vor dem PC juckt das allerdings nicht ansatzweise: Wenn zwei Klicks bei Idealo 50 Euro einsparen können, wird das Konzept der vermeintlich exklusiven Einkaufsmeilen im Netz doch zunehmend ad absurdum geführt – wohlgemerkt auch immer öfter im Modesegment, wo brands4friends & Co. bislang immer noch die größte Rabattpower beweisen konnten.

Veröffentlicht in Web 2.0 mit 0 Kommentaren »

Kein Sommerloch

Geschrieben am July 15th, 2009 von Gleb

Leider ist es an dieser Stelle ziemlich ruhig geworden. Das heißt allerdings alles andere, dass ich die Arme verschränkt habe oder bald in Vodafone-Fernsehspots zu sehen sein werde.

In diesem Jahr stehen für mich spannende Neuerungen an: So bin ich derzeit an einem interessanten eCommerce-Startup beteiligt. Ab Anfang 2010 werde ich über eine längere Zeit aus Kalifornien arbeiten, wo ich nach neuen Konzepten und Netzwerken Ausschau halte.

Derweil möchte ich auch mein bestehendes Geschäft weiter nach vorne bringen. Im Zuge dessen wird eine Umfirmierung anstehen, die unsere Kompetenzen (Textinhalte für Online-Marketing-Kampagnen) besser zur Geltung bringen und deutlicher von meinen Web 2.0-Späßen trennen soll. Schließlich werde ich mich zusammenreißen und diesem Blog wieder mehr Leben einhauchen.

So viele Vorsätze – mal sehen, was draus wird.

Kleine Info am Rande: Das Team der Townster GmbH in Berlin hat mit Lars Smidt (ehem. Friendscout24, PARSHIP, Otto) einen weiteren prominenten Zuwachs in der Geschäftsführung bekommen. Bald steht der Relaunch an – ich bin sehr gespannt!

Veröffentlicht in Privates mit 0 Kommentaren »

Wer hat den Pinsel ausgepackt?

Geschrieben am March 17th, 2009 von Gleb

Huch, habe ich was verpasst – was ist denn mit Qype los? Relaunch mit komplettem Re-branding, ganz offensichtlich auch mit einer deutlich stärkeren Ausrichtung auf Verzeichnis. Ich sehe weniger Community-Elemente auf der Startseite und deutlich mehr Suchmaschinen-Charakter. Während letzteren Schritt für logisch und sinnvoll halte, gefällt mir die neue CI überhaupt nicht – die alte Farbgebung, das Logo…war doch eigentlich alles in Ordnung?

Interessant ist derweil die Tatsache, dass die Jungs und Mädels aus Hamburg fast den identischen Vermarktungsweg einschlagen, wie wir uns ihn damals für Townster zurechtgelegt hatten.

Entsprechend bin ich sehr gespannt auf Townster 2.0, dass derzeit mit viel Kraft forciert wird: Kürzlich wurde die Townster GmbH mit Sitz in Berlin gegründet und erstes, erfahrenes Ex-Personal von Paypal Deutschland verpflichtet.

Veröffentlicht in Web 2.0 mit 0 Kommentaren »

Mit Townster in die Hauptstadt

Geschrieben am February 26th, 2009 von Gleb

Townster sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt erfahrene Unterstützung in Berlin, dem neuen Standort des Unternehmens. Die entsprechenden Jobausschreibungen findet Ihr im Townster-Blog – spread the word!

Veröffentlicht in Web 2.0 mit 1 Kommentar »

Auf den Hund gekommen

Geschrieben am January 16th, 2009 von Gleb

Viele von uns Web 2.0-Geschädigten haben im vergangenen Jahr das preisgekrönte Buch „The Long Tail“, in Deutschland etwas unpassend als „Der lange Schwanz“ erschienen, gelesen. Darin beschreibt Wired-Chefredakteur Chris Anderson die oft unterschätzte Kraft von Nischenmärkten: Es gilt wieder gezielt Marktlücken auszumachen statt partout auf die Masse zu setzen, so die zentrale These. Dennis Rottler scheint da eine ähnliche Auffassung vom Netzbusiness zu haben: Mit seinem 2008 gestarteten Hundebedarf-Shop Wauzikontor kann er inzwischen ein solides, kontrolliertes Wachstum an den Tag legen.

Inzwischen gibt es sogar Pläne für weitere Ableger – Grund genug für ein kurzes Q&A. Dennis kenne ich bereits seit knapp acht Jahren, ohne ihn auch nur einmal in persona getroffen zu haben. Wir haben immer wieder mal miteinander zu tun, allem voran wenn es um gutes Web- und Grafikdesign geht – wie gut Dennis das beherrscht, sieht man meiner Meinung auch an seiner wunderbar dezenten, intuitiv aufgeteilten Shopseite. Here we go…

Tritus.de:
Hallo Dennis. Zunächst einmal die obligatorische Frage: Wer bist du und was machst du?
D. Rottler: Ich bin Gestalter, Unternehmer und Kaffeebotschafter. Seit geraumer Zeit betreibe ich die Werbeagentur CUBUS28. Unser jüngster Spross heißt Wauzikontor, der seit Januar 2008 stetig meine sowieso schon knappe Freizeit auffrisst.

Tritus.de: Wie bist du ausgerechnet auf die Idee gekommen „Hundecommerce“ zu machen?
D. Rottler: Das war recht nahe liegend: (e)Commerce aus dem schlichten Grund, näher am Markt zu sein und nicht nur als Beobachter, Berater und Gestalter anderen Unternehmen den Sprung ins „Haifischbecken“ zu erleichtern. Kurz: Wir wollten die Seiten wechseln. Das Thema Hunde ist ebenfalls schnell erklärt: Ich liebe Hunde, schon von Kindesbeinen an. Neben diesen Erfahrungswerten gab es natürlich auch praktische Erwägungen: Hundehalsbänder und Leinen sind unempfindliche, robuste Artikel, die weder beim Versand noch bei der Lagerung große Eigenheiten aufweisen und dazu auch keine große Beratungsintensivität besitzen. Das war der Startschuss für die ersten konzeptionellen Arbeiten im Januar 2008.

Tritus.de: Das Thema Tiere ist im deutschen Onlinehandel kein unbeschriebenes Blatt: Spontan denke ich bei Hundebedarf & Co. immer an Zooplus. Wie steht ihr zu solchen alteingessenen Playern und wie hebt ihr euch von ihnen ab?
D. Rottler: Zooplus ist natürlich gewichtig und als Vollsortimenter breit aufgestellt. Das ist allerdings auch gleichzeitig unsere Chance in der Nische tiefer zu gehen: Wir versuchen das Produktsortiment gezielt an den Punkten zu ergänzen und zu vertiefen, wo die großen Vollsortimenter es verpassen. Das zielt auch auf den regulären Handel wie z.B. Fressnapf ab. Aktuell können wir nur dann punkten, wenn wir uns das „Schlachtfeld“ aussuchen - im Bereich Logistik oder Preisstrategie brauchen wir gar nicht erst auflaufen, da haben die „großen“ etablierte, gut geölte Systeme oder bieten genügend Reserven, um das locker wegzustecken.

Neben diesen Produktentscheidungen versuchen wir das Produktsortiment so übersichtlich zu halten, dass wir wirklich alle Artikel vorrätig haben und das im Onlinehandel weit verbreitete „Dropshipping“ zu vermeiden. Kunden, die bestellen, sollen den Artikel sofort haben, nach dem er durch unsere Hände ging und geprüft wurde, und nicht erst umständlich über den Großhändler verschickt wurde, wo wir nicht wissen, ob der Artikel überhaupt noch lieferbar ist. Das ist insgesamt kapitalintensiver und mindert durch das schmalere Sortiment den Umsatz erheblich. Wir sehen hier aber langfristig die Chance, über eine gesund gewachsene Kundenstruktur, die hoch zufrieden mit uns ist, viel stabiler und gefestigter im Markt zu stehen.

Tritus.de: Wie ist dein bisheriges Resümee der ersten Monate und was steht bei euch in Zukunft an?
D. Rottler: Es herrscht ein verdammt raues Klima - einerseits natürlich bei den für einen Shop überlebenswichtigem Google Platzierung und dem dazugehörigen Linkaufbau. Andererseits bei den teils zähen Verhandlungen mit Herstellern, die natürlich oft genug nicht direkt an uns liefern wollten, sondern nur über den Großhandel. Da musste einiges an Aufklärungsarbeit reingesteckt werden, wer Wauzikontor ist und wo Wauzikontor hin will.

Mittlerweile stehen wir aber solide da, haben Zugriff auf das Produktsortiment aller größeren Hersteller, wobei wir uns bewusst für ein kompaktes Sortiment entschieden haben, dass dafür stets verfügbar ist. Das klappt natürlich nicht immer, da teils noch unkalkulierbare Schwankungen im Bestellaufkommen bestehen, die sich mit unserem bisher dünnen Zahlenmaterial noch nicht präzise voraussagen lassen. Kurzfristig geht’s natürlich wie bei allen Neugründungen ums nackte Überleben: Wir befeuern Wauzikontor aus allen Rohren und das kostet Geld. Mit der Werbeagentur können wir natürlich viel abfangen, aber Ziel ist schnell den Bereich zu erreichen, wo Wauzikontor selbstständig ohne fremde Hilfe wachsen kann.

Tritus.de: Die Logistik ist eine der größten Herausforderungen für ein wachsendes eCommerce-Geschäft. Wie ist dahingehend der Stand der Dinge bei Wauzikontor?
D. Rottler: Das ist richtig, mit strukturellen Entscheidungen steht und fällt ein Shop. Wir haben den Vorteil, in einem Nischenbereich mit einem überschaubaren Volumen zu agieren, so dass wir recht entspannt wachsen und den Logistikpart stetig nachskalieren können. Wir haben eine knapp 500m² große ehemalige Ausstellungshalle eines Autohauses zur Verfügung, die wir aber erst zu einem 1/6 wirklich nutzen. Eine Skalierung für die nächsten 2-3 Jahre ist also gewährleistet, dann schauen wir weiter. Durch unser kompaktes Sortiment ist die Lagerhaltung insgesamt übersichtlich, die Artikel sind über unser Warenwirtschaftsystem erfasst und räumlich nach Produktgruppen sortiert.

Tritus.de: Ihr seid bislang eigenfinanziert. Ist Venture Capital für euch ein Thema im Zuge einer möglichen Wachstumsfinanzierung?
D. Rottler: Nein, weniger aus eigener Eitelkeit als aus handfesten Gründen. Der Markt ist gefestigt und bereits von großen, gut aufgestellten Unternehmen durchsetzt. Ich sehe da keine Chance in irgendeiner Form ein überproportionales Wachstum lostreten zu können - dafür müsste man diesen gefestigten Markt schon radikal erschüttern. Das ist einerseits schwierig bis vermutlich unmöglich, andererseits auch nicht mein Stil. Ich bin ein Kind der „Internetboomzeit“ samt Internetblase, habe wie viele andere als Angestellter im Agenturbüro übernachtet, täglich neue Kollegen begrüßt und dann miterlebt, wie riesige, aber unpersönliche Internetfirmen zerbrachen und für mich die Entscheidung getroffen, langfristig und mit Augenmaß an die Dinge heranzugehen und unser „Baby“ natürlich wachsen zu lassen.

Tritus.de: Für dieses Vorhaben wünsche ich euch weiterhin viel Erfolg, vielen Dank für Deine Zeit.

Veröffentlicht in Case Study mit 3 Kommentaren »

46902.-EUR für Basic Thinking

Geschrieben am January 15th, 2009 von Gleb

All der Buzz, inklusive Print und TV, hat am Ende nicht ganz so viel gebracht, wie von vielen erwartet: Deutschlands Blog-Zugpferd Basic Thinking ging soeben für magere 46902 Euro über die eBay-Ladentheke. Damit hat Robert Basic, einst kein großer Freund von eBay-Exits, nicht viel mehr eingenommen als wir mit dem verhältnismäßig trafficarmen Townster.

Persönlich habe ich auf einen Endbetrag von etwa 75.000 Euro getippt, da man aus einer so wunderbar indexierten Content-Sammlung mit 2-3 (freien) Redakteuren im Rücken zweifelsfrei gutes Geld schlagen kann. Als Käufer würde ich den Blog fortan deutlich professionalisieren – optisch, aber vor allem inhaltlich – um deutlicher Richtung Mashable und Techcrunch vorzupreschen. Denn: Mit fundierter journalistischer Schreibe darf man sich auch wirklich „Presse“ schimpfen – den oftmals Web 2.0-unkundigen Werbekunden lässt sich das aus Monetarisierungssicht viel besser anpreisen als das Internet-Tagebuch eines Einzelgängers.

Turi2 macht jährlich mittlerweile knapp 300.000 Euro netto in Werbung – Content im Blogmantel lässt sich also durchaus auch hierzulande vermarkten. Wohlgemerkt hat Robert Basic ohne aktives Verwertungsengagement bereits über 30.000 Euro im Jahr an Werbeeinnahmen generiert, was sich beispielsweise durch eine Zusammenarbeit mit einem professionellen Vermarkter locker toppen ließe.

Entsprechend halte ich 47.000 Euro für einen Schleuderpreis: Bei Sedo & Co. werden Projekte mit deutlicher weniger Suchmaschinen-Traffic gebührender veredelt. Vielleicht hätte der namensgebende Blogvater auf die Käuferverifizierung per Fax verzichten sollen – auf diese Weise dürften diverse Last-Minute-Bieter ausgeschlossen worden sein.

Veröffentlicht in Web 2.0 mit 0 Kommentaren »

Über Tritus.de

Dieses Blog informiert über aktuelle Geschehnisse im Internetgeschäft, technische Innovationen, Verbraucherkuriositäten und sonstige Belange auf der Welle des modernen Zeitgeistes.

Viele Grüße,