Quo Vadis, eBay?

Geschrieben am February 6th, 2010 von Gleb

eBay ist für mich ein Bilderbuchbeispiel, wie man ein überaus ertragreiches, massentaugliches Business Modell ins Abseits überfrachten kann: Wenn ich mich heute – seit 1999 eBay-Nutzer der frühsten Stunde – in den „Mein eBay“-Bereich einlogge, werde ich von einem so nervigen Feature-Overkill erschlagen, dass ich am liebsten schreiend zum nächsten „echten“ Flohmarkt rennen möchte. „Mal eben was reinstellen“ ist schon lange nicht mehr – stattdessen klickt man sich müheselig durch eine Oberfläche ohne jeden roten Faden.

Das Management, spätestens seit dem Skype-Kauf doch offensichtlich desorientiert, scheint dem nicht wirklich entgegenwirken zu können: eBays Powerseller-Basis schwindet seit Jahren. Ständig werden neue, teils fragwürdige Regeln (z.B. Pflicht zum versandkostenfreien Versand) eingeführt, erweitert oder wieder gekippt (neu ab Februar: Versandkostenobergrenze statt Gratisversandpflicht). Längst habe ich den Überblick verloren, was man auf eBay nun darf und was nicht – die Plattform ist das Deutschland des Web 1.0: Groß, träge und bis ins i-Tüpfelchen bürokratisiert.

Unabhängig davon ist der Reiz einfach verflogen: Gute Deals und Raritäten wie zur Anfangszeit findet man nur noch selten, auch wenn eBay mit ihrer Deal-Hunterin was anderes kommuniziert. Das Feld gehört überwiegend gewerblichen Verkäufern, die Waren zu völlig handelsüblichen, teilweise gar deutlich erhöhten Preisen zu vertreiben versuchen.

Wenn man sich schließlich nach einem guten Support sehnt, der einen in diesem Chaos an die Hand nimmt, läuft man öfters frontal gegen die Wand: Zuerst muss man die FAQs durchsuchen. Erst danach darf man eine Hotline anrufen, die einem erklärt, wie man die so genannte „Telefon-PIN“ einrichtet. Hat man diese PIN, kann man die richtige Hotline anrufen.

Endlich angekommen, fragte ich nach meinen eBay-Gebührenrechnungen aus dem Jahr 2008. Der Herr verneinte: „Ich kann sie ihnen nicht geben. Sie können das Anliegen dem Support mailen - aber ganz ehrlich, da mache ich ihnen keine Hoffnungen….“

Als ich den guten Mann an die Aufbewahrungsfristen nach Handelsgesetzbuch erinnern wollte, entgegnete er routiniert: „eBay sitzt in Luxemburg. Wir haben uns an die deutschen Gesetze nicht zu halten.“. Das stimmt wohl, leider.

Wann fordern findige Unternehmer dieses fatale Selbstbewusstsein endlich heraus? Die Zeit ist überaus reif für neue Offertos und Ricardos.

Veröffentlicht in Wie bitte?!

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