Interview: Christian Dommers von wergehthin.de

Geschrieben am December 16th, 2009 von Gleb

Fortan kommt hier endlich wieder Leben auf den Blog! Den Anfang macht ein Interview mit meinem Kollegen Christian Dommers von wergehthin, einem meiner Meinung nach recht viel versprechenden, wenn auch in der deutschen Blogosphere noch nicht sonderlich prominent behandelten Event-Startup aus Köln.

Die Jungs versuchen das auf die Beine zu stellen, was wir bei Townster mit dem Event-Feature (vergeblich) versucht haben: Starke lokale Vernetzung von Events und Eventgängern mit einer Portion Local Search und Social Network. Christian ist Gründer und Geschäftsführer der Betreibergesellschaft doyago Ltd. und hat gerade eine Angelfinanzierung für das junge Projekt an Land gezogen. Here we go:

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Tritus.de: Hallo Christian! Zunächst einmal: Wer bist du, was machst du und hast du schon alle Weihnachtsgeschenke beisammen?

Dommers: Hi Gleb! Ich bin junger Unternehmer und widme meine Zeit spannenden Internet-Projekten. Zu den Weihnachtsgeschenken: Zum Einkaufen bin ich leider noch nicht gekommen. Wird wohl wieder auf den letzten Drücker wie jedes Jahr…

Tritus.de: Gratulation zum kürzlich abgeschlossenen Angel-Investment. Wie lange habt ihr einen Investor gesucht und was sind die sagenumwobenen „Key-Learnings“, die euer Unternehmen aus diesem Prozess mitgenommen hat?

Dommers: Danke! Der eigentliche Suchprozess hat glücklicherweise nur einige Wochen gedauert, was aber auch daran lag, dass wir vorher hart an einem marktreifen Produkt mit vorzeigbarer Reichweite gearbeitet haben. Die Key-Learnings: Unbedingt an den Erfolg glauben, dabei aber realistisch bleiben und sich immer alle Alternativen vor Augen führen.

Tritus.de: Achtung, mittelprächtiger Wortwitz: Wohin geht die Reise von wergehthin.de in 2010? Grundsätzlich bietet das Thema in Deutschland doch noch einiges an Potential – ich denke da beispielsweise an dieses US-Startup (wie hieß das noch gleich?), bei dem man Künstler mit Votes dazu überreden kann, in der eigenen Stadt aufzutreten…

Dommers: 2010 wird für wergehthin ein herausforderndes Jahr. Der bereits eingeschlagene Weg mit einem greifbaren Produkt für junge Leute in Großstädten und Ballungsräumen wird konsequent weiterverfolgt. Wir glauben, dass wir damit das vorhandene Potential in lokalen Freizeitmärkten optimal nutzen. Was das von dir erwähnte Startup eventful mit seinem Feature macht ist glaube ich für Deutschland nicht so gut geeignet, denn unsere Städte liegen zu nah beieinander. Wen ich einen Superstar unbedingt sehen will, fahre ich dafür auch von München nach Hamburg. Die USA hat ganz andere Distanzen.

Tritus.de: Das stimmt natürlich. Euer Angebot ist augenscheinlich noch sehr stark auf Köln fixiert. Während regionale Stärke sicherlich ein guter Weg ist, die erdachten Prozesse und Konzepte anfangs auf die Probe zu stellen, steht man mittelfristig doch oft vor Skalierungsschwierigkeiten. Wie begegnet ihr diesem Thema?

Dommers: wergehthin steht für Qualität von Inhalten. Wir bieten unseren Usern Geheimtipps, die sich wirklich lohnen und sind nah dran am Geschehen. Die Liebe zur Stadt kann man nur glaubhaft verkörpern, wenn man die Stadt auch gut kennt. Also nähern wir uns 2010 den großen Ballungsräumen in Deutschland mit großer Sorgfalt. Wir haben gelernt, dass man auch innerhalb einer Stadt sehr gut skalieren kann.

Tritus.de: Ein paar Worte zur Monetarisierung: Wie und vor allem ab wann will wergehthin Geld verdienen?

Dommers: Aktuell verdienen wir schon Geld mit lokaler Werbung und gesponserten Listings für Veranstalter. Dieses Konzept bauen wir natürlich weiter aus. Hinzu kommen noch weitere Einnahmen wie z.B. Ticketverkäufe.

Tritus.de: Ihr teilt euch ein Büro mit den Jungs von spickmich, die ebenfalls in wergehthin investiert haben. Wie kam es zu dieser Partnerschaft?

Dommers: Wir kennen die spickmich–Gründer noch aus der Kölner Uni. Wir haben dort alle BWL studiert. Da es damals an der Uni nicht viele gab, die ernsthafte Gründungsgedanken gehegt haben, lief man sich automatisch schnell über den Weg. Tino, Manuel und Philipp haben wir von Anfang an aktiv mit in den Gründungsprozess eingebunden. Sie stehen uns stets bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite.

Tritus.de: In meiner Zeit bei Townster hatte ich die Erfahrung gemacht, dass die Nutzer zwar recht gerne Locations eintragen, wohl aber total die Finger von Eventdaten und Partyfotos lassen – vielleicht erschien ihnen das nicht als „permanent“ genug, weil der Datensatz nach dem jeweiligen Event nur noch geringfügigen Wert für die Community hatte. Wie wichtig ist User Generated Content für wergehthin?

Dommers: Ohne Content von Usern ist es sehr schwer ein umfassendes Bild vom Freizeitleben einer Stadt zu bieten. Man muss die richtigen Anreize setzen und auch ein wenig nachhelfen, damit Leute bereit sind aktiv zu werden. Aber du hast recht: Von alleine passiert da nicht viel. Partyfotos werden wenn, dann nur auf großen Networks wie StudiVZ oder Facebook hinterlassen. Meistens bleibt die Kamera bei Clubabenden ja aus vielen Gründen bewusst zu Hause - deshalb gibt es auch so viele Ausgehportale mit eigenen Fotografen. Dann siehst Du auf diesen Seiten überall dieselben Grinsefotos – schlimm!

Tritus.de: Vor wergehthin warst du u.a. im Gründerteam des Venture-Capital-Inkubators Speedseed, der leider nicht über die Planungsphase herausgekommen ist. Was genau ist damals schief gelaufen?

Dommers: Speedseed war damals die Idee, eine Plattform zu schaffen, die junge Gründer mit Unternehmern zusammenbringt. In den USA gibt es schon seit Jahren sehr erfolgreiche, ähnliche Konzepte wie z.B. Y Combinator oder Techstars. Da kommen jedes Jahr junge Gründer mit dem geballten Know-How von erfahrenen Unternehmern und Kapitalgebern zusammen. Das Ergebnis sind dann nicht selten Überflieger-Startups wie Loopt. Wir wollten so etwas unbedingt in Deutschland und Europa aufbauen, hatten aber leider zu wenige Mitstreiter. Gründer hätte es genug gegeben - wir hatten sogar Anfragen aus Skandinavien…

Tritus.de: Danke für das Gespräch!

Veröffentlicht in Case Study, Web 2.0

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