brands4friends im Interview

Geschrieben am August 2nd, 2008 von Gleb

Anlässlich meines Shopping-Club-Testlaufs habe ich mir brands4friends-Mitbegründer und Marketing-Director Nicolas Speeck für ein Interview geschnappt.

Nicolas, vormals in leitender Position u.a. bei ElectronicScout24, Promarkt Online und I-D Media tätig, erzählt ein paar Takte zur Zukunft des erfolgreichen Startups sowie zum Club-Businessmodell im Allgemeinen. Here we go:

Tritus.de: Nicolas, Ihr habt 2008 ein rasantes Wachstum hingelegt. Wie viele Neuanmeldungen verzeichnet ihr und läuft brands4friends mittelfristig nicht Gefahr, durch zu schnell ausverkaufte Aktionen für Frust zu sorgen? Ich erinnere mich noch an die Aufschreie nach euren beiden Apple-Aktionen, die innerhalb von fünf Minuten vergriffen waren.
Speeck: Wir befinden uns momentan bei über 800.000 Mitgliedern und wachsen teilweise um mehr als 10.000 neue Mitglieder täglich. Selbstverständlich sind wir immer bestrebt, eine größtmögliche Warenmenge anbieten zu können.

Auch wenn es manchmal schnell ausverkauft aussieht – wir haben meist fünfstellige Mengen bei den Verkaufsaktionen vorrätig. Wer regelmäßig reinschaut und bei seiner Lieblingsmarke auch schon morgens dabei ist, hat meist sehr gute Chancen.

Wir befinden uns momentan bei über 800.000 Mitgliedern.

Tritus.de: Dass Modelabels mit älterer Saisonware ihre aktuellen Kollektionen nicht verwässern wollen, ist nachvollziehbar. Wie aber schafft man es, beispielsweise den aktuellen iPod Touch deutlich unter Ladenpreis anzubieten – im vorliegenden Fall ist Apple doch ein Musterbeispiel für einen Hersteller, der selten von seiner UVP abweicht bzw. Dumpingaktionen bei seinen Vertriebspartnern nicht gerne sieht…?
Speeck: Elektronik ist sicherlich eine Ausnahme, da dort die Margen normalerweise sehr gering sind. Wir hatten bei der letzten iPod-Aktion aber ein einmalig gutes Angebot unseres Partners vorliegen und wollten damit unser Mitglieder gerne mal aus der Reihe erfreuen.

Tritus.de: Wie wollt ihr euch in den kommenden Monaten weiterentwickeln: Wird es irgendwelche konzeptionelle Neuerungen geben, beispielsweise Zwei-Klassen-Angebote à la BuyVip, oder eine Erweiterung der Sortimentbandbreite?
Speeck: Eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ macht sicherlich nur Sinn, wenn man den Mitgliedern darüber hinaus weitere tolle Premiumangebote bieten kann - minimale Vorteile machen da aus meiner Sicht keinen Sinn. Unsere Kunden sind ja bereits durch die Mitgliedschaft privilegiert und profitieren von den günstigen Preisen, die zwischen 30% und 70% unter dem Ladenpreis liegen. Wir haben aber neben unserer Warteliste, die von unseren Mitgliedern freigeschaltet wird, noch weitere spannende Ideen in der Umsetzung – mehr möchte ich hier erstmal noch nicht dazu verraten…

Tritus.de: Wird das Unternehmen mittelfristig internationalisiert? Die einschlägigen Auslandsdomains habt ihr euch ja bereits gesichert.
Speeck: Wir wollten uns nur im Vorfeld die Arbeit von langfristigen Rechtsstreits mit Domaingrabbern ersparen. Dieses Jahr steht sicherlich Deutschland, neben Österreich, im Fokus unserer Bemühungen – schließlich ist es das einwohnerstärkste Land Europas. Expansionen wollen wir damit aber natürlich nicht ausschließen…

Die Retouren bewegen sich im einstelligen Prozentbereich und sind für den Mode-Versandhandel sensationell niedrig.

Tritus.de: Durch die StudiVZ-Kooperation dürftet ihr die im Schnitt jüngste Kundschaft im Shopping-Club-Segment haben. Äußert sich das in einer überdurchschnittlich hohen Anzahl an Retouren oder nicht (rechtzeitig) bezahlten Waren?
Speeck: Wir haben ja nicht nur Mitglieder von StudiVZ, die jedoch Ende 20 sind, sondern auch viele Mitglieder durch unsere exklusive Kooperation mit anderen Partnern und durch die virale Verbreitung an Freunde und Eltern. Die Retouren bewegen sich im einstelligen Prozentbereich und sind für den Mode-Versandhandel sensationell niedrig - möglich, dass viele Kunden ihre Einkäufe einfach an Freunde verschenken, wenn Sie nicht passen. So günstig kommen sie nie wieder an ein Geschenk.

Tritus.de: Welche Zahlungsweise wird bei euch am meisten bevorzugt und wieso hat brands4friends im Gegensatz zu BuyVip und Vente Privee einen Mindestbestellwert (19 Euro)?
Speeck: Wie im Online-Versandhandel üblich, sind Kreditkarte und Vorkasse stark verbreitete Zahlungsarten. Ein Mindestbestellwert sichert uns nach unten ab, damit wir unsere Prozesskosten refinanzieren können. Aber nichts ist bekanntermaßen für die Ewigkeit.

Im Schnitt benötigt eine Verkaufsaktion 1-3 Wochen Vorlauf.

Tritus.de: Bei so eng kalkulierten Angeboten stelle ich mir vor, dass ihr je nach Marke entweder sehr kurzfristig oder auf immens lange Sicht planen müsst – insgesamt dürfte ein riesiges Maß an Flexibilität gefordert sein. Wie sieht der durchschnittliche Einkaufshorizont von brands4friends aus?
Speeck: Da hast du recht. Auf der einen Seite planen wir sehr langfristig, wann z.B. der ideale Zeitpunkt für Bademode oder Winterjacken ist. Auf der anderen Seite müssen wir auch immer noch sehr flexibel bleiben und auf die Wünsche der Hersteller eingehen können. Im Schnitt benötigt eine Verkaufsaktion 1-3 Wochen Vorlauf.

Tritus.de: Seit diesem Jahr bewegt sich das Konzept der geschlossenen Shopping-Clubs mit Tempo Richtung Massenmarkt. Die logische Schlussfolgerung: Von Exklusivität kann bald nicht mehr die Rede sein, brands4friends & Co. sind am Ende des Tages normale Onlineshops mit vorgeschalteter Freischaltung durch bestehende Mitglieder – dem Geschäftsmodell dürfte doch damit zumindest auf der Einkäuferseite jede Grundlage (ältere Ware „diskret“ unter das Volk bringen) genommen sein, oder?
Speeck: Die Preise und Angebote sind nur für Mitglieder. Wir sind ein exklusiver Club und bieten Markenmode zu Freundschaftspreisen an, daran wird sich auch nichts ändern. Je mehr Mitglieder wir haben, desto bessere Angebote können wir machen. Insofern widerspricht sich das nicht. In Frankreich hat Vente Privee über vier Millionen Mitglieder  und noch keine Probleme mit den Herstellern.

Tritus.de: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

Nicolas hat mir im Zuge dessen gleich angeboten, demnächst in der Berliner Firmenzentrale vorbeizuschauen, worauf ich bei Gelegenheit gerne zurückkommen werde. Bis dahin erhaltet Ihr in Paulinepaulines Vor-Ort-Bericht einen Eindruck.

Veröffentlicht in Web 2.0

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