Facebook verklagt StudiVZ

Geschrieben am July 19th, 2008 von Gleb

Laut Techcrunch hat die Facebook, Inc, Palo Alto vor einem kalifornischen Gericht Beschwerde gegen die studiVZ Ltd., Berlin eingereicht. Stein des Anstoßes soll die unerlaubte Übernahme des Facebook Look & Feels sowie verschiedener Angebote und Features durch StudiVZ sein.

Interessant ist vor allem die Tatsache, dass Facebook mit diesem Schritt so spät dran ist wie der Regionalverkehr der Deutschen Bahn: StudiVZ war Facebook-Gründer Mark Zuckerberg schon 2006 aufgefallen und hatte aus der mehr als offensichtlichen Anlehnung an das US-Vorbild nie ein Geheimnis gemacht.

Geld zu holen gibt es bei den Berlinern auch schon lange: Im Januar 2007 wurde StudiVZ von der potenten Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (u.a. Die Zeit, Handelsblatt) für etwa 85 Millionen Euro aufgekauft.

Bereits Monate zuvor hatte Facebook u.a. neben Holtzbrinck und Axel Springer mitgeboten, wollte die illustre Investoren-Runde (u.a. Samwers, Lukasz Gadowski) allerdings nicht cash, sondern mit einem 4-6%-Anteil an der Facebook, Inc auszahlen. Ein schier unglaubliches Angebot, wie sich später herausstellen sollte: Nur ein Jahr später wären die Anteile nach dem Microsoft-Einstieg (theoretisch) 600 (4%) bzw. 900 (6%) Millionen US-Dollar wert gewesen. Auch wenn eine vorläufige, im vorliegenden Falle vollends astronomische Bewertung (15 Milliarden US-Dollar) ungleich Exit-Preis ist: Der von Holtzbrinck gezahlte Preis bekommt angesichts des Angebots echten Schnäppchen-Charakter.

Ebenfalls pikant: Die Samwers, einst treibende Kraft hinter der Erfolgsgeschichte StudiVZ, sind mittlerweile an Facebook beteiligt. Seither versucht sich der US-Primus auf dem deutschen Markt, hat allerdings sichtlich Schwierigkeiten, gegen die beeindruckende Stickyness der inzwischen 10 Millionen VZ-Nutzer anzukommen.

Der Gang vor den Kadi könnte einen juristischen Rundumschlag von Facebook einläuten: So gut wie in jedem Land mit einer ansehnlichen Internet-Verbreitung gibt es an Facebook angelehnte oder wie beispielsweise im Falle des russischen Vkontakte (mittlerweile mehr als 10 Millionen Mitglieder) gar 1:1 kopierte Pendants. Eine Auswahl der dreistesten Copycats gibt es bei Netzwertig.

StudiVZ hat sich zu den Liebesgrüßen aus Palo Alto noch nicht geäußert, das in der besagten Techcrunch-Meldung abgebildete StudiVZ-Fakeprofil von Zuckerberg aber schleunigst entfernt. Ihre Anwälte dürften bereits auf Betriebstemperatur sein: Zuletzt hatte StudiVZ eine Handvoll kleiner Social Networks mit dem Kürzel „VZ“ im Namen abgemahnt. Auf der Gegenseite sieht es nicht viel besser aus: Vor nicht allzu langer Zeit wurde Mark Zuckerberg von ehemaligen Harvard-Kommilitonen verklagt. Diese haben ihn medienwirksam beschuldigt, die Idee für Facebook 2003 von ihnen geklaut zu haben. Das Verfahren endete kürzlich mit einem nicht näher erläuterten Vergleich.

Update: Wie mittlerweile bekannt geworden ist, hat die Holtzbrinck Rechtsabteilung am vergangenen Freitag eine Feststellungsklage beim Landgericht Stuttgart eingereicht. Diese soll laut Spiegel Online feststellen, dass die von Facebook erhobenen Vorwürfe nichtig sind. Insgesamt sehe StudiVZ der Klage „gelassen“ entgegen, so StudiVZ-Geschäftaführer Marcus Riecke

Veröffentlicht in Sonstiges, Web 2.0

One Response

  1. Flo

    Ahhh, hier erfährt man sogar mehr als beim Don. Thx

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