Gründer mit Migrationshintergrund
Mit Interesse habe ich einer (schon etwas älteren) KfW-Studie entnommen, dass die Gründerquote unter den Migranten anno 2006 höher lag als die der deutschstämmigen Neuunternehmer. Auch bescheinigt die Studie der ersteren Gruppe eine deutlich höhere Risikobereitschaft: Sie gründen im Schnitt sechs Jahre früher als hiesige Unternehmer und tendieren eher zu einer Vollerwerbsbeschäftigung. Leider habe ich keine aktuellere Neuauflage der Studie auftun können, doch bin ich sicher, dass sich an den Zahlen seither nicht viel gedreht hat.
[ad] Nicht zuletzt im Web-Bereich fällt mir schon lange auf, dass überdurchschnittlich viele exotische Namen die Impressumsseiten zieren. Ein Großteil dieser Menschen ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, dürfte aber aufgrund familiärer Verwurzelungen in die Heimat und den dadurch oft deutlich angekurbelten interkulturellen Austausch doch zu einer gewissen Sonderkategorie gezählt werden.
„Migrantinnen und Migranten gründen vergleichsweise häufig und gut vorbereitet. Das zeigt, wie wichtig diese Gruppe für ein lebhaftes Gründergeschehen hierzulande ist.” - Ingrid Matthäus-Maier (ehem. KfW-Vorstandssprecherin).
Ich möchte an dieser Stelle keine Grundsatzmeinung über die Arbeitseinstellung dieser und jener Nation loslassen, da man hier nur zu schnell Gefahr läuft gefährlich zu verallgemeinern.
Für mich persönlich ist es allerdings branchenunabhängig in Stein gemeißelt, dass Geschäftstüchtige mit ausländischem Background eine eigene, oftmals zielstrebigere Herangehensweise ans Unternehmertum an sich sowie Themen wie Arbeitsorganisation und Motivation haben – schließlich wird das Bestreben etwas neues zu schaffen und sich in einer fremden Umgebung zu behaupten gerade in diesem Umfeld oftmals mit in die Wiege gelegt.
Ob diese „innewohnende Zielstrebigkeit“ am Ende des Tages in Erfolg umgemünzt werden kann, ist ein anderes Thema, das man sehr differenziert betrachten muss. Auch versteht sich von selbst, dass es auch hier viele Negativbeispiele gibt.
Dennoch bin ich nicht zuletzt wegen meinem Background über diese Entwicklung hoch erfreut: Ob Web 2.0, Bio- oder Cleantech oder klassische Industrie – überall scheint es in den letzten Jahren deutlich mehr erfolgreiche Unternehmer mit Migrationshintergrund zu geben, oder aber sie sind einfach so präsent wie noch nie zuvor.
Eine subjektive Momentaufnahme meinerseits oder bringen Gründer mit Migrationshintergrund tatsächlich eine gewisse Extraportion Risikobereitschaft und Ehrgeiz ins Spiel? Spontan fallen mir folgende Testimonials ein:
- Lukasz Gadowski, Polen (u.a. Spreadshirt, StudiVZ)
- Ehssan Dariani, Iran (StudiVZ)
- Mehrdad Piroozram, Iran (u.a. Pironet, iStep Ventures)
- Ibrahim Evsan, Türkei (Sevenload)
- David Zong-Hyeck An, Korea (FamilyOne, Fettspielen)
- Boris Kossev, Ukraine (Undwo)
- Timo Meyer, Japan (u.a. Uni.de, GameLoft, Wazap)
- Amir Mirzaee und Bobby Budirahardjo, ??? (Triphunter)
Veröffentlicht in Web 2.0

July 30th, 2008 at 15:03 Uhr
hi, bei David bitte noch Fettspielen.de mitaufnehmen
July 30th, 2008 at 15:05 Uhr
Done.
November 10th, 2008 at 20:13 Uhr
So weit ich weiß ist Amir Mirzee aus dem Iran und Bobby Budirahardjo aus Indonesien. Die beiden haben ordentlich Dampf für ihre junges Alter. Wirklich gute Männer, von dem, was ich bis jetzt gehört habe.