Poker.de: Verschenktes Potential im rechtlichen Zwiespalt
Vor rund einem Jahr setzte Poker.de die vorläufige Bestmarke im deutschen Premiumdomain-Segment: Satte 695.000.-EUR ließ sich der Branchenprimus Partypoker die attraktive Adresse kosten. Der Verkäufer Spielbank Wiesbaden ließ alle Gebote im Vorfeld mehrere Jahre lang abprallen, bis es am Ende bei einer Live-Auktion in Holland zum Showdown kam. Rund sechs Monate zuvor dümpelte der Preis noch bei etwa 250.000.-EUR herum.
Kurioses Detail am Rande: Nach Casino.de, die die Deutsche Bahn (!) vor etwa zwei Jahren ebenfalls sechsstellig an einen Gamblinganbieter veräußert hat, ist Poker.de bereits die zweite Glücksspieldomain, die bei einer (teilweise) staatlichen Institution den Rubel rollen lässt.
Wer die kommerzielle Tragweite des Themas halbwegs einschätzen kann, wird wissen, dass 695.000.-EUR grundsätzlich weit unter Wert liegen - schließlich ist gerade Poker nicht zuletzt durch den anhaltenden Medienpush vollends zum Allerweltszeitvertreib avanciert.
[ad] Etwa 250 US-Dollar ist ein Neukunde bei einem der großen Bezahlpoker-Anbieter wert. Poker.de dürfte meiner Meinung nach locker 50.000 Unique Visitors pro Monat verzeichnen – do the math bei einer 0,5%-Conversion.
Natürlich hat die Geschichte wie so oft eine Kehrseite: Bekanntermaßen ist die Bewerbung von Glücksspiel mit Echtgeldeinsatz in Deutschland ausdrücklich verboten. Partypoker, 888.com und Konsorten versuchen daher mit legalen Spielgeld-Ablegern um neue Kunden zu werben. Die Rechnung scheint aufzugehen: Nach der Einstiegsdroge Gratispoker wechseln viele zu den jeweiligen Gibraltarer Bezahlablegern unter demselben Brand.
Ob es diese Grauzonen-Praxis, das staatliche Glückspielmonopol in Deutschland oder gleich beides zu überdenken gilt, lasse ich jetzt einmal dahingestellt. Unabhängig davon staune ich gewaltig, wie zweitklassig Partypoker diese zukräftige Domain verwertet: Zunächst war das gute Stück wochenlang offline. Nun prangt seit Monaten eine schlecht gestaltete, impressumslose Landingpage auf Poker.de, die – ganz gleich wohin man klickt – stets auf die deutsche Partypoker-Seite führt. Besitzer ist eine IGM Domain Name Services Ltd. in Gibraltar, die – ich spekuliere mal ganz wild – als rechtliche Absicherung von Partypoker vorgeschaltet worden ist.
Das verschenkte Potential ist unermesslich, die übertriebenen Vorsichtsmaßnahmen (kein offenkundiges Partypoker-Branding, kein Impressum) unverständlich: Mit Bravour unterstreicht die aktuelle Verwertung der Domain das Schmuddelimage von Online-Glücksspiel. Ich gebe jedem Brief und Siegel, dass man diese Domain durch und durch im legalen Rahmen deutlich besser verwerten kann.
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